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/// Artists Statement
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/// Lisa Steib »Agression.Blick.Gold. —
Zu drei Begriffen für Nadine Decker« [pdf]
/// Arbeitskonzept »Das Buch« [pdf]
/// Astrid Köhler »Was will ich damit
eigentlich sagen?« [pdf]
/// Karina Herring »Blütenlose Unheimlichkeit«
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Artist Statement
Nadine Decker
In einem Artist Statement sollte ein Künstler schreiben, was das Ziel
seiner Kunst ist, wofür man den ganzen Scheiß überhaupt
macht. Ein Artist Statement geht für mich weit über die Funktion
eines künstlerischen Konzeptes hinaus und sollte im Idealfall Klarheit
in den Sinn und Unsinn meiner künstlerischen Tätigkeit bringen.
Genau hier beginnt schon das größte Problem das ich mit einem
solchen Statement habe. Es setzt voraus, dass ich wissen muss WAS ich von
der Kunst will und das ich wissen muss, WOHIN meine Kunst führen soll.
Bei allen Überlegungen zum was und wohin, die von purer Selbstbefriedigung
bis zum Weltfrieden reichen, stoße ich schnell an die oberflächliche
Tatsache der Nutzlosigkeit von Kunst. Der Hauptcharakter dieser –
Tätigkeit?, Lebensform?, Gegenstände? – entpuppt sich bei
tieferer Betrachtung als absolute Nutzlosigkeit. Sie, Kunst, führt
einzig: Nirgendwohin. Zum Weltfrieden tauge ich höchstens als Jurist,
Sozialarbeiter oder Politiker und zur Selbstbefriedigung gibt es effizientere
Mittel und Wege. In meinem Artist Statement möchte ich aus diesem Grund
an dem Grundcharakter der Nutzlosigkeit und dem von mir empfundenen Widerwillen
ein solches zu verfassen, ansetzen.
Denn was bedeutet es ein Statement zu schreiben? Es bedeutet eine grundsätzliche
Meinung und Haltung festzulegen. Im Gegensatz zu einem Interview, wo notwendigerweise
ein Dialog entsteht oder auch zu einem Text über eine fertige, konkrete
Arbeit/Werkgruppe (wo auch eine Art Gegenüber existiert) bin ich in
einem Statement mit mir vollkommen allein und präsentiere einem möglichen
Leser eine „Wahrheit“ über meine Kunst. Damit lege ich
mich, meine künstlerische Position auch für die kommende Zeit
fest und muss mich selbst offiziell revidieren um das einmal geschriebene
wieder in Bewegung zu bringen. Stärker noch als ein Bild hat etwas
geschriebenes, vor allem wenn es die Überschrift „Statement“
trägt, immer etwas Endgültiges und Kündendes. Es ist genau
diese Endgültigkeit die mich so sehr stört. Denn etwas das endgültig
ist, scheint seine Nutzlosigkeit aufgeben zu wollen und nimmt im Falle des
geschriebenen Statements, auch dem beschriebenen etwas davon. Ich befürchte,
dass ein Artist Statement über meine eigene künstlerische Arbeit,
mir die Freiheit der Nutzlosigkeit der Kunst einengt. Das bedeutet nicht,
dass ich grundsätzlich nicht über meine künstlerischen Arbeiten
sprechen möchte. Noch weniger bedeutet es, dass ich nicht an den Sinn
der Kunst an sich glaube. Es bedeutet vielmehr, dass ich eine gewisse Naivität
der Sprache meinen künstlerischen Arbeiten gegenüber, nicht mit
allgemeinen Worten über das künstlerische Arbeiten festschreiben
will. Also wäre für mich der einzig gültige Weg ein Artist
Statement zu verfassen, in dem sich eine Aussage an mindestens einer anderen
aufheben ließe und damit der gesamte Text in Mehrdeutigkeit zerfallen
würde. Aber dann verliert die Bedeutung eines Statements an Bedeutung.
Denn wozu führt es, wenn man etwas aussagt ohne etwas auszusagen? Das
wäre Nutzlos, oder?
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