PAIRI DAEZA «

Der Betrachter des Bildes steht vor der Mauer.
Er steht nah davor oder geht weiter weg – doch die Perspektive ändert sich nicht. Auch eine Leiter würde es ihm nicht ermöglichen über sie drüber zu sehen, zu erfahren was dahinter liegt. Angedeutet verrät ihm der obere Bildrand was hier umschlossen ist. Er sieht das sehr grüne Blattwerk einiger Frühlingsbäume. Ein Stück des oberen Drittels einer Tanne und Himmel. Strahlend blauen Himmel, der einzig durch ein halb verdecktes Federwölckchen und einen schon verblassenden Kondensstreifen unterbrochen wird.
Und dennoch landet man immer wieder vor der Mauer.
Das trockene Geäst, das an ihr hoch rankt, zieht den Blick nach unten. Nicht auf den Boden – das Bild bildet keinen Boden ab – nur wieder vor die Mauer. Diese dürre, etwas dornige Ranke bietet keinen Halt, dem der versucht über die Mauer zu klettern genauso wenig, wie dem Blick des Bildbetrachters.
Es verleitet in seiner verschlungenen Ornamenthaftigkeit den zarten Linien zu
folgen entlang der Mauer, an ihr in die Farbigkeit des Dahinter.
Und doch bleiben wir auf der Fläche
vor der Mauer
die nichts weiter ist als eine graue Wellblechwand.

Pigmentdruck auf Alu Dibond, 110 X 140cm, 2004