HAUS NUMMER 42 «

Ein Haus als Ankerpunkt für die Erinnerung.
Es steht als räumlicher Bezug zu der Vergangenheit.
Das Wohnhaus ist für den Menschen von besonderer Bedeutung. Es bietet Schutz, es schafft ein Zuhause, gibt dem Menschen einen Ort an den er sich zurückziehen kann, den er bewohnt, selbst gestaltet, einen Ort der ihn verortet, verwurzelt. Während sich alles ändert, bleibt das gebaute, fundamentierte Haus in seiner Grundstruktur stehen.
Ein architektonisches Modell dient dazu, eine Vorstellung auszutesten - es greift der Gegenwart vor. Hier wird das Modell genutzt, Erinnerung zu verbildlichen.


Das I. Modell (2005) Papier, Klebestreifen, 10 x 10 x 10cm,
Ein Haus aus Papier. In 10ccm wird jeder Raum, jeder Winkel des Hauses erinnert und in das Papier gefaltet. Es ist mit mir auf der Reise, es ist nicht geschützt - es verschmutzt und verknickt - es altert.

Das II. Modell (2005/ 6) Papier, Klebestreifen, Flüssigkleber, 40 x 40 x 40cm
Ein Haus aus Papier. Es ist die größere, perfektionierte Atelierversion von M I.
Die Erinnerung wurde ergänzt durch genaues Maßnehmen am realen Haus Nummer 42. Jede Wand wurde vermessen, alte Grundrisse betrachtet und neue gezeichnet. Es entstanden Fotografien der Räume. M II. ist ein akkurates Modell. Durch die Fenster sind die Innenräume sichtbar, der Betrachter kann mit seinen Blicken das Innere erkunden. M II ist dem realen Haus sehr nah und dient als »Beweis«: Haus Nummer 42 existiert.

Das III. Modell (2006) Pigmentdruck, Polystyrol, Stahlgerüst, 110 x 160 x 45cm
Die Fotografie von M I. ist bestimmt.
Durch die Größe des Bildes wird dem Ausgangsmodell die materielle Leichtigkeit genommen, der fotografische Moment legt die Perspektive fest, dem Altern wird Einhalt geboten. Die äußere Form des Hauses wird aus dem Rechteck des Bildes ausgeschnitten, schwebend vor der Wand verführt M III. den Betrachter hinter das Bild zu sehen. Sichtbar wird dort ein rohes Stahlkonstrukt das als Aufhängung dem Objekt auf seiner Bildseite seine Leichtigkeit gibt, es am Schweben hält.

Das IV. Modell (2006)
Installation, Leinen, Holzlatten, Neonröhren, 4 x 4 x 4m
Die Dimension der Handhabbarkeit ist überschritten, die Erinnerung an Haus Nummer 42 abstrahiert. Eine Urform »Haus« fasst die wichtigsten Räume als Erinnerrungsraum zusammen. M IV. besteht aus einem Gerüst aus Holzlatten über das eine Hülle aus weißem Baumwollstoff gespannt ist.
Im Innern des geschlossenen Körpers leuchtet Neonlicht.

Das V. Modell (2006) Objekt, Holz, Schlagmetall, 6 x 6 x 6cm
Die Urform von M IV. wird auf eine minimale Größe reduziert und vergoldet. Das Blattgold ist nicht poliert, durch Risse in der Oberfläche zeigt sich das hölzerne Material des Modells.

Das VI. Modell (2006) c-Print, 40 x 60cm
Für die Fotografie M VI nehme ich das Haus in die Hand.
Wie einen Schatz präsentiere ich es dem Betrachter. Meine Finger tragen Spuren des Goldes, als ob durch zu festen Druck, Reste daran kleben blieben.

Das VII. Modell (2007) Objekt, Holz, Schlagmetall, 60 x 60 x 70cm
M VII ist ein Haus in der Landschaft. Der goldene Klotz macht die veredelte Erinnerung des V. Modells lächerlich. Das Haus wird verschwindend klein und unwichtig auf seinem angestrahlten Sockel.

Die Aktion (2007) Installationsperformance, Fotodokumentation
Haus Nummer 42 »Die Aktion« fand anlässlich der Ausstellung Archiskulptur im Kunstmuseum Wolfsburg statt. Unbemerkt vom aufsichtspersonal wurde das V. Modell in die Ausstellung integriert und ergänzte diese um einen persönlichen/biografischen Umgang mit dem Thema der Archiskulptur.
Eine nachträgliche Absprache mit der Museumsleitung ermöglichte die Dokumetation des Ausstellungsbeitrags im Kontext der Ausstellung (im Hintergrund zu sehen: Walter de Maria: 6-6-8 Series / Wladimir Schuchow: Schabolowka Radioturm; Rekonstruktion der Cheobs Pyramide u.a.).